Als eines der ersten Obstbaugebiete Europas gab Südtirol 1989 ein Programm für den integrierten Kernobstbau
heraus und war damit richtungsweisend für die nachfolgenden Entwicklungen auf diesem Sektor.
Ende 1989 lagen aus 9 europäischen Ländern bereits 14 IP-Richtlinien vor und Ende 1995 war die Zahl
europaweit auf 31 nationale bzw. regionale IP-Programme angestiegen.
Heute wird schätzungsweise ca. 45% der europäischen Obstbaufläche nach den Prinzipien der
integrierten Produktion bewirtschaftet, wobei sich die jeweiligen IP-Programme zwar an den
"Richtlinien für die integrierte Kernobstproduktion in Europa"
1
(1994) der IOBC orientieren, entsprechend den regional unterschiedlichen Erfordernissen und Anbau-Problemen
aber unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
In Südtirol verlief die Einführung und Umsetzung der Integrierten Produktion in Form des AGRIOS-Programmes nicht
ganz so reibungslos, wie es die Situation in Produktion und Vermarktung erfordert hätten: Sowohl Produzenten als auch die
Vermarktungsbetriebe standen diesem Konzept, das den Teilnehmern verschiedene Punkte vorschrieb
2,
etwas skeptisch und unsicher gegenüber.
So beteiligten sich 1989 lediglich 929 Obstbaubetriebe
mit 1.824 ha und 44 Vermarktungsbetriebe am AGRIOS-Programm, weshalb auch kein Obst mit einer IP-Marke ausgezeichnet wurde.
Eine massive Aufklärungskampagne in den Wintermonaten 89/90 erbrachte aber dann den erhofften Durchbruch,
so daß sich 1990 5.902 Obstbaubetriebe mit 13.167 ha und 56 Vermarktungsbetriebe zur Teilnahme am Programm meldeten.
In den Folgejahren schlugen sich gebietsweise auftretende Schädlingsprobleme (Resistenz des Apfelwicklers,
Maikäferplage und verstärktes Auftreten der mehligen Blattlaus in den Jahren 1991 bis 1995) in signifikanten
Schwankungen in der Anmeldequote bzw. im Prozentsatz des als integriert anerkannten Obstes nieder.
Seit 1996 aber macht sich nun wieder vermehrtes Interesse am AGRIOS-Programm bemerkbar:
So nahmen 2003 insgesamt 7007 Betriebe mit einer Fläche von 15.484 ha am Programm teil.
Erfolge der integrierten Produktion
- Regulierung der Spinnmilben mit Hilfe der Raubmilben
- Reduzierung der Rückstände auf den Äpfeln (Obst aus AGRIOS-Produktion darf nicht mehr als 50%
des gesetzlich erlaubten Rückstandswertes aufweisen)
- Unbedenklicher Apfelkonsum
- Resistenzmanagement
- Ertragssicherung
- Schonung der Umwelt und des Naturhaushaltes
- Einführung des Betriebsheftes
- Bewußtseinsbildung und gesteigerte Professionalität der Bauern
- Imageverbesserung
- Einsatz von Alternativmittel (Verwirrungstechnik 1998: 4.000 ha; Bodennetze gegen Maikäfer)
- Verbesserte Applikationstechniken
- Erschließung neuer Absatzmärkte (z. B. Norwegen)
Fussnoten:
1
Definition der Integrierten Kernobstproduktion (IOBC): Die Integrierte Obstproduktion ist
die wirtschaftliche Produktion qualitativ hochwertiger Früchte unter vorrangiger Berücksichtigung ökologisch sicherer
Methoden, um die erwünschten Nebenwirkungen und die Anwendung von Agrochemikalien zu minimieren mit dem Ziel eines besseren
Schutzes der Umwelt und der menschlichen Gesundheit.
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2
Führung eines Betriebsheftes, begrenzte Anzahl erlaubter Mittel, Nistkästen
aufhängen, Bodenanalysen, verlängerte Karenzzeiten, Sprühertest, Heckenpflanzung, Anwendung der erlaubten Mittel mit
Einschränkung etc.
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