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Entwicklung der integrierten Produktion (IP) in Südtirol |
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Südtirol, das größte zusammenhängende
Obstbaugebiet Europas (ca. 18.000 ha), war in der Vergangenheit des Öfteren mit Resistenzerscheinungen von Schädlingen
konfrontiert (Rote Spinne 1964, Miniermotten 1969, Birnblattsauger 1973, Rote Spinne 1982 und Miniermotten 1988). Daher schlug
der Südtiroler Beratungsring bereits in den siebziger Jahren, in Anlehnung an die wissenschaftlichen Erkenntnisse der
IOBC/WPRS (Internationale Organisation für biologische und integrierte Schädlingsbekämpfung/West Palaearktische
Sektion), den Weg des gezielten Pflanzenschutzes ein: |
- Genaues Beobachten der Schädlinge und Nützlinge in den Obstanlagen,
- Durchführung einer Behandlung erst beim Erreichen der wirtschaftlichen Schadensschwelle,
- Einsatz möglichst selektiver und für die Nützlinge unbedenklicher Mittel,
- Reduktion des Gesamteintrages an Pflanzenschutzmitteln
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lauteten fortan die Forderungen des Beratungsringes und führten dazu, daß viele, auch für den Anwender bedenkliche Mittel aus der Praxis verbannt wurden.
Im Rahmen des "5. Symposiums für integrierten Pflanzenschutz im Obstbau", das 1974 in Bozen stattfand, ging man noch einen Schritt weiter:
Die bis dahin praktizierten Methoden sollten durch den Einsatz von biologischen und biotechnischen Hilfsmitteln ergänzt werden, die Nützlinge sollten als Gegenspieler der Schädlinge gefördert und der Einsatz chemischer Mittel auf ein Minimum reduziert werden.
Die Skepsis gegenüber diesen Forderungen des integrierten Pflanzenschutzes, die sich, wie erwartet, zu Beginn einstellte, verschwand schließlich Anfang der achtziger Jahre, als die Resistenz der Roten Spinne (Panonychus ulmi) 1982 große finanzielle Einbußen verursachte und die Perspektiven für die Bekämpfung dieses Schädlings wenig ermunternd ausfielen.
"Integrierte Gruppen" (1980-1988)
Einige fortschrittliche Obstbauern hatten die Ideen des integrierten Pflanzenschutzes Anfang der siebziger Jahre aufgegriffen und wollten diese umsetzen. Da es in der Praxis aber an selektiven Wirkstoffen mangelte, kamen sie über einen gezielten Mitteleinsatz vorerst nicht hinaus.
Ab 1977 hielt der Südtiroler Beratungsring in den Wintermonaten gemeinsam mit der Südtiroler Bauernjugend Kurse über integrierten Pflanzenschutz ab. Die praktische Umsetzung dieses damals für die Südtiroler Bauern neuen Themenbereiches führte sodann schrittweise zur erwünschten Bewußtseinsbildung und zu einem Umdenken.
Ab 1980 betreute der Beratungsring jährlich in verschiedenen Gemeinden insgesamt 15 Arbeitsgruppen für
integrierten Pflanzenschutz. Diese "integrierten Gruppen" trafen sich alle 1-2 Wochen, um das Aufkommen und die Entwicklung
der wichtigsten Schädlinge und Krankheiten sowie der Nützlinge in den Obstanlagen zu verfolgen. Durchschnittlich
wurde eine Gruppe 3 Jahre betreut, so daß bis 1987 an die 600 Obstbauern die Kurse für integrierten Pflanzenschutz
besuchten.
Erfahrungsberichte
Die Umstellung verlief nicht immer problemlos. Die vereinzelt zu verzeichneten Schäden durch Apfelwickler und Schorf zeigen, wie wichtig genaues Beobachten ist. Schädlings- und Nützlingskontrollen zu den Schlüsselterminen machen sich zudem durch geringere Ausgaben für Pflanzenschutzbehandlungen bezahlt.
"Integrierter Pflanzenschutz erfordert von den Obstbauern Fachkenntnis und Risikobereitschaft, bringt aber bei fachgerechter Anwendung auch ökonomische Vorteile und macht den Beruf des Obstbauern interessanter" (Zitat: Teilnehmer einer integrierten Gruppe).
Erste Erfolge:
- Regulierung der Spinnmilben durch die Raubmilben. Gezielte Mittelwahl zur Schonung der Spinnmilbenfeinde führte zu einem weitgehenden Verzicht auf Akarizide.
- Kontrolle der Blutlaus (Eriosoma lanigerum) durch die Zehrwespe (Aphelinus mali).
- Reduktion der Insektizidbehandlungen auf 3-4 Behandlungen pro Jahr.
- Reduktion der Wirkstoffeinsätze gegen den Mehltau.
Die Gründung der AGRIOS
Die Einführung der integrierten Produktion, die als umfassendes Konzept alle Bereiche der Obstproduktion einschließt, wie z. B. Standort, Sortenwahl, Pflanzmaterial, Bodenpflege, Düngung, Ernte, Lagerung etc., und die Gründung der AGRIOS wurde, abgesehen von den erwähnten Resistenzerscheinungen, durch weitere Faktoren begünstigt:
- die erfolgreiche Umsetzung der Ideen der integrierten Produktion durch kleine Gruppen in anderen Ländern (GALTI/CH 1977, und COVAPI/F 1979) und die Akzeptanz der Verbraucher von gelabelten Äpfeln,
- Rückstände von Herbiziden (Atrazin, Bentazon u.a.) im Trinkwasser im Reis- und Weizenanbaugebiet der Po-Ebene,
- eine gesteigerte Sensibilität der Verbraucher bzw. deren anprangernde Kritik, daß Obst und vor allem Gemüse nicht rückstandsfrei wären und verschiedene Skandalberichte in den Medien,
- die Tendenz großer Supermarktketten (v. a. COOP Italia) und einiger Babynahrungsmittelhersteller (Hipp, Nestle), das nach vertraglich festgelegten Kriterien produzierte Obst mit 10% besseren Preisen zu honorieren als konventionell angebaute Äpfel.
- Die breite Öffentlichkeit wußte relativ wenig von den Bemühungen unserer Bauern, die schon jahrelang versucht hatten, ihre Äpfel möglichst umweltfreundlich und gesundheitsschonend zu produzieren. Daher sollte ein Programm zur integrierten Produktion Aufklärung bieten.
Auf Initiative aller maßgeblichen Institutionen der Südtiroler Obstwirtschaft erfolgte am 20.12.1988 in Terlan durch Kiem Anton (Obmann des Südtiroler Beratungsringes SBR), Danay Heinrich (Obmann des Verbandes der Südtiroler Obstgenossenschaften VOG Bozen) und Nagele Heinrich (Obmann der Erzeugerorganisation Südtiroler Obstproduzenten, ESO) die notarielle Gründung der AGRIOS und die Aufnahme folgender Körperschaften:
Landwirtschaftsinspektorat
Versuchszentrum für Land- und Forstwirtschaft Laimburg
Fruttunion Südtirol
FOS-Förderungsverein für Obstauktionen in Südtirol
Südtiroler Bauernbund
Südtiroler Bauernjugend
Federazione Coltivatori Diretti
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Unter der Leitung des damaligen Direktors des Südtiroler Beratungsringes Dr. Hermann Oberhofer veröffentlichte die AGRIOS im Januar 1989 ihre ersten "Richtlinien für den integrierten Kernobstbau", "Die Bestimmungen zur Erteilung der AGRIOS-Marke an die Vermarktungsbetriebe" und im Juli die "Richtlinien für die Ernte und Lagerung von Obst aus integriertem Anbau" .
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Mit dem Landesgesetz Nr. 12 vom 30.04.1991 wurde der integrierte Anbau erstmals südtirolweit geregelt
und die Schutzmarke für integriert produziertes Obst (Südtirolmarke mit Marienkäfer)
eingeführt.
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